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2. Kernfrage: Was ist Glaube?

2. April 2013 | Erstellt von Arbeitskreis Thema Glaube

Vom Verständnis dessen, was mit „Glaube“ gemeint ist, hängt auch sein Inhalt ab: Ist es eine besondere Erkenntnisform, die weiter reicht als Gefühl und Verstand? Oder eine Grundhaltung, die das Handeln bestimmt? Worin liegt der Unterschied von Glauben und Wissen, von Religion und Naturwissenschaft? Wie kommen Menschen zum Glauben und welche Veränderungen sind festzustellen, zu wünschen? Anerkennung des Glaubens anderer auch bei erheblichen Unterschieden.

Zum gesamten Text der 2. Kernfrage

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3 Kommentare

  • Heinz G. Liberda schrieb:

    Zu Kernfrage 2, Was ist Glaube?

    Im Folgenden meine ich unter „Glaube“ den Glauben an den Gott Jesu und den Inhalt der Verkündigung Jesu.

    „Glaube ist Gabe und Aufgabe.“, siehe den Einleitungstext zur zweiten Kernfrage.

    Als Aufgabe sehe ich zum einen, sich um eine entsprechende Lebenshaltung zu bemühen, anderseits die Weitergabe des Glaubens durch Verkündigung. Hier gibt es eine noch wenig bearbeitete „Baustelle“, nämlich Verkündigung unter neuen Gegebenheiten.

    Bisher richtete sich die Verkündigung im Religionsunterricht an Kinder und Jugendliche. Aber ohne eine religiöse Haltung der Eltern im Hintergrund ist der Religionsunterricht oft nicht nachhaltig. Viele Eltern haben ihrerseit religiöse Inhalte nur in kindgerechter Form vermittelt bekommen und sich weitgehend davon verabschiedet. Oft heißt es dann, schon wenn es um die Taufe geht, das sollten die Kinder selbst entscheiden, wenn sie erwachsen sind.

    So wird es künftig auch in den alten Bundesländern eine immer größere Zielgruppe für die Verkündigung geben, nämlich Erwachsene, die in religiöser Hinsicht weitgehend „Unbeschriebene Blätter“ sind.

    Daraus ergeben sich weitere Grundfragen, wie z.B.:

    Wie kann man ein Interesse an christlichen Glaubensinhalten wecken?

    Was „schreibt“ man als erstes auf ein „Unbeschriebenes Blatt“? Das heißt, welche Inhalte aus dem „Paket“ unseres Glaubens sind die wichtigsten für Sinngebung, Orientierung, Lebenshilfe?

    Heute würde Luther vielleicht einen Katechismus schreiben mit einem Titel ähnlich wie
    „Jesu Botschaft für Quereinsteiger, Schritt für Schritt“. Dabei fände er sicher Mitautoren aus anderen Konfessionen, denn bei einer solchen Art von religiöser Erstversorgung sollte Konfessionelles kaum eine Rolle spielen, und die evangelischen / protestantischen Traditionen (s. http://www.ev.-akademiker.de/wir-ueber-uns/) scheinen mir heute weitgehend überkonfessionell akzeptiert zu werden, wenn es um Verkündigung an Erwachsene geht.

  • Rudolf Reichert schrieb:

    Glaube, was ist das?

    Als Ehepaar haben wir nun schon 59 Jahre miteinander über unseren Glauben geredet und haben versucht nach diesem Glauben auch zu leben. Hierbei haben wir gesehen wie viele Leute meinen: „Glauben heißt nichts wissen.“ Ist das auch wirklich richtig? Wir können unseren Glauben nicht beweisen. Das ist wahr. Ein bewiesener Glaube ist kein Glaube. Allerdings leben wir auf dem Planeten Erde mit mancherlei ungelösten Fragen. Woher kommt die Erde? Lag im Urknall auch die Geburt unseres Planeten? Was war vor dem Urknall? Woher kommt das Leben auf unserer Erde? Wir können zwar nicht beweisen, wo das Leben herkommt, aber dennoch leben wir. Fragen über Fragen. Die Menschen versuchen über diese Fragen nachzudenken. Sie verbinden ihre Gedanken auch mit den Gedanken und Aufzeichnungen früherer Generationen. Da gibt es die Aufzeichnungen in heiligen Schriften; die Bibel, den Koran, die Upanishaden etc.. Zudem beobachten wir Menschen die Materie und die Verhaltensweisen von Materie, Pflanzen und Tieren. Aus all den Merkmalen die an diesen Dingen, in Verbindung mit den eigenen Empfindungen, sichtbar werden, bildet sich der Glaube. Wer auf diese Weise ehrlich nachdenkt, und die Erkenntnisse seines Nachdenkens in einer möglichst großen Gemeinschaft zur Diskussion stellt, hat sicher eine tiefere Einsicht und somit ein tieferes Wissen, als jene Menschen, die nicht nachdenken wollen. Während der Phase dieses Nachdenkens aber finden viele Menschen zu einem persönlichen Glauben.

    Der Glaube im Fluss des Lebens

    Materie und Geist befinden sich in ständiger Bewegung. In fernöstlichen Kulturen spricht man deshalb auch vom TAO, dem Weg, dem Fluss des Lebens. Wir Menschen finden uns hier auf dem Planeten Erde mit einem Geist ausgestattet, der uns nicht nur über das Tierreich hinaushebt. Kraft unseres Geistes sind wir auch in der Lage, über die Zeit hinaus zu denken, während der wir uns hier auf diesem Planeten befinden. Wir können zurück in die Vergangenheit denken, in Jahre, die vor unserer Lebenszeit liegen. Genauso können wir auch in die Zukunft hineindenken, in eine Zeit, in der wir sicher nicht mehr hier sein werden. So berührt heute schon unser Geist einen Zeitraum, der weitaus größer ist, als der Zeitraum während dem wir in unserem Leib hier leben können. Diese Tatsache weckt in vielen Menschen den Glauben an ein ewiges Leben.

    Das TAO in der Vielfalt des Alltags

    Aufgrund der heute vorhandenen weltweiten Globalisierung wird es in Zukunft zwangsläufig eine buntere Vielfalt im Fluss des Glaubens geben. Der gemeinsame Glaube erwächst aus vielen authentischen Einzelpersönlichkeiten, die sich in einer Gemeinschaft der Glaubenden zusammenfinden. Jede gewaltsame Gleichschaltung würde die Einzelpersönlichkeit und deren Glauben verletzen. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass die Gemeinschaft der Glaubenden jene Tugenden ernst nimmt, die wir uns hinter den Buchstaben des TAO vorstellen können. In Zukunft wird eine Gemeinschaft der Glaubenden nur möglich sein, wenn sie in der Lage ist, unter Berücksichtigung der Tugenden Toleranz, Achtsamkeit und Offenheit zu kommunizieren. Das Gespräch über den Glauben muss wie das TAO (Fluss des Lebens) fließen. Unser Glaube ist wie der Blick auf einen hohen Berg. Es kommt auf den Standpunkt an, von dem aus man den Berg sieht, dementsprechend wird die Erkenntnis sein.

    Materie und Liebe im Fluss des Glaubens

    Wir meinen, dass es neben der sichtbaren Materie auch noch den transzendenten Teil des Lebens gibt. Wir glauben an eine Grundkraft des Seins, die in allen Dingen zugegen ist. Die Liebe ist die Grundkraft des Lebens, sie besteht nicht aus Materie. Woher aber kommt die Liebe? Ist sie nicht eine Kraft, die aus der Transzendenz des Lebens kommt? Die Liebe führt uns über die Materie hinaus und bestärkt unseren Glauben. Dies sind unsere Gedanken zu der Frage: „Was meinen wir wenn wir von „Glaube“ reden?

  • Gerd Neubronner schrieb:

    Glaube in Deutschland im Umbruch
    I. Aufklärung: Seit dem 17. Jahrhundert, beginnend mit Newton, hat die Naturwissenschaft immer breiteren Raum erobert. Der kirchliche oder konfessionelle Glaube ist nicht mehr selbstverständlich. In Deutschland kam es 1918 mit dem Ende des Kaiserreiches zur Trennung von Kirche und Staat. Die Trennung ist „hinkend“. 1949 setzte sich das im Grundgesetz mit den Menschenrechten der Glaubensfreiheit und der Würde des Menschens (Art. 4+1 GG). fort. Auf die neue Lage vertrauten nach dem Holocaust Hunderttausende Juden und über 4 Millionen Muslime. Nach einer Emnid-Umfrage ( Sonntagsblatt vom 18.6.1997 / 25/1997) fühlen sich 27% der Protestanten und 18,5% der Katholiken ihrer Glaubensgemeinschaft fern ; 50% der Befragten meinten, die Kirche beantworte aktuelle Fragen nicht. Nach dem Sonntagsblatt vom 4.7.1997 waren bei einer Emnidumfrage zwar 53% für ein Weiterleben der Seele nach körperlichem Tod; an die kirchliche Auferstehung der Toten glaubten nur 29%; 30% an eine Rechenschaft nach dem Tode; über 25% hielten Reinkarnation für sicher oder wahrscheinlich.
    An Wahlen der evangelischen Landeskirchen beteiligten sich etwa 2009 maximal 25%. 2002 ergab eine dimap-Umfrage eine knappe Mehrheit gegen die staatskirchliche Dreieinigkeitsvorstellung. Schwierigkeiten bestehen bei dem Glauben an die Personhaftigkeit Gottes; nach einer Forsa-Umfrage von 2005 glauben zwar 64% der Deutschen an Gott, aber 66% an Schutzengel, noch 25% an den Teufel ( nach Emnid 2005 halten den Satan nur 20% für real).
    Ohne breite Diskussion beschloss die Evangelische Kirche in Deutschland auf einer Bundessynode 1950, der Bund der Juden mit Gott bestehe weiter. Damit folgte sie dem Grundrecht der Glaubensfreiheit von 1949. Es erfolgte aber keine Klarstellung darüber, wie weit Vergebung für alle Glaubensgemeinschaften reiche, wie weit stellvertretende Sühne durch das Kreuz Christi.- In einer Konkordie von 1973 erreichten die evangelischen Lutheraner und Reformierten Europas Kirchengemeinschaft bei Predigt und Abendmahl bei Anerkennung der traditionellen Lehre von der Dreieinigkeit. Möglicherweise widerstreitet das , zumindest teilweise, dem Toleranzbeschluss von 1950. Eine Klarstellung fehlt.
    2005 ergab eine Emnid-Umfrage in Deutschland , 61% der Deutschen halten den Glaubensinhalt für eine Privatsache, nur 7% für Kirchensache. 70% meinten, alle Religionen seien gleichwertig, enthalten also Richtiges und Falsches. Die Mehrheit ist also für Synkretismus und gegen strikte Abschottung von anderen Religionen. Das entspricht auch der aktuellen Verfassung.
    Wie ist die Lage aus der Sicht eines Christen mit ausgesprochenem Interesse für Naturwissenschaft? Der Glaube an einen Schöpfer der Welt erscheint ihm nicht als erschüttert. Es ist zwar richtig, was Charles Darwin entdeckte, dass die Schöpfung weitergeht; insofern muss der Schöpfungsbericht der Bibel durch die Naturwissenschaft ergänzt werden. Dringend stellt sich jedoch die Frage , wie Gott, Strahlung und Materie sich zueinander verhalten. Lässt sich diese Frage teilweise durch Außerkörperwahrnehmung von personal empfundenen Lichtkugeln im Weltraum beantworten? Immerhin hat auch Einstein
    angenommen, Strahlen krümmten sich in der Nähe von Massen an Materie. Unklar ist auch, wie es zur Verschränkung von Photonen im Abstand von bis zu 140 km kommt? Zwei verschränkte Strahlen in diesem Abstand zeigen Gleiches.- Auffällig an der Hindu-Religion und der Christen-Religion ist, dass beide vorwissenschaftliches Wissen enthalten: Bei der christlichen Schöpfungsgeschichte verblüfft die Schaffung des Lichtes, bei der Hindureligion mit der Gottesvorstellung als Zwerg die ungeheure Kernkraft, die bei der Wasserstoffbombe beinahe das abwerfende Flugzeug auf den Erdboden heruntergerissen hat.
    In der Tiefsee hat das Leben nach der Naturwissenschaft angefangen. Die Zustände dort erscheinen als höllenmäßig: dunkel und mit erbarmungslosen Kampf einer gegen den anderen. Vom Schöpfer ist jede Art mit besonderen Waffen und Werkzeugen ausgerüstet. Könnte es sein, dass die Hölle für die meisten in der Vergangenheit liegt, nicht in der Zukunft? Wenn ja, müsste dann nicht die Ursache für unsere Erdenwanderung anders sein, als in der Erzählung von Adam, Eva und dem Apfel angenommen?
    II. Reformationsjubiläum 2017: 1517 hatten wir in Deutschland Reformation. Luthers Vorstellungen vom Glauben finden sich im Großen und Kleinen Katechismus ( Hermann Kunst, Martin Luther, 1982, Seite 63-144). Luther fürchtete und vertraute Gott. Möglicherweise wurde diese Furcht durch zu strenge Erziehung seitens des Vaters ausgelöst. Für Luther repräsentierten die Eltern die Oberen, zu denen Herrscher, auch Gott, gehören. Die Vorstellung, ein Geschöpf notfalls zur bleibenden Hölle zu verdammen, erschien Luther als möglich. Zwar erscheint mir eine vorübergehende Hölle vertretbar, mit der Vorstellung eines liebenden Vaters aber eine dauerhafte Quälerei unvereinbar. Eher leuchtet mir die Allversöhnungserwartung eines Theologen aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus ein.
    Luther identifizierte die Sündenvergebung mit der stellvertretenden Sühne durch Christi Kreuz. Das führte notwendigerweise zu seiner intoleranten Haltung gegenüber Juden, die die Erlösung durch Christi Kreuz bestreiten. Nach dem EKD-Synoden-Beschluss von 1950 ist die Sündenvergebung ohne Kreuz möglich. Daher müsste genauer geprüft werden, ob Jesus nicht nur für Todsünden ans Kreuz gegangen ist. In den ersten drei Evangelien wird die spitzfindige Erschütterung des Glaubens an Jesus als unvergebbar bezeichnet.- Als Zeuge für die göttliche Liebe und Fürsprecher für alle Menschen hätte Jesus unverändert allgemeine Bedeutung. Die Toleranz zwischen den Religionen bliebe möglich, wenn man Reinkarnationen annimmt. Dann könnte jeder Mensch einmal als Christ wiedergeboren werden. Es ist sicherlich nicht Schuld eines Menschens, wenn er außerhalb des christlichen Kulturkreises geboren worden ist.

    Bei Durchsicht Luthers Katechismus fällt auf, dass er wie die Katholiken den Taufbefehl „im Namen „ annimmt, nicht wie heute in evangelischen Bibeln „ auf den Namen“. Letzeres legt nahe, dass der Mensch durch die Taufe einen neuen Namen erhält. Das betont die Rolle des Sohnes. Als Nichttheologe kann ich das nicht klären. Ich möchte das aber gerne wissen.
    ===================================================GN.20.04.2013============



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