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11. Kernfrage: Schuld / Sünde / Vergebung

2. April 2013 | Erstellt von Arbeitskreis Thema Schuld und Vergebung

Für den Stand und die Entwicklung der gesellschaftlichen Schuldkultur ist das Verständnis der Begriffe Schuld, Sünde und Vergebung grundlegend. Sowohl eine Definition wie auch das Verhältnis der Begriffe zueinander ist schwierig. Es stellen sich u.a. folgende Fragen:

  • Wie gehen wir verantwortungsvoll mit unserem täglichen Schuldigwerden um?
  • Was bringt die Ausweitung des Schuldbegriffs auf das religiöse Sündenverständnis?
  • Welchen Wert hat und was bewirkt Vergebung?
  • Wie bringen wir die Bereitschaft auf, Schuld anderer zu verzeihen?
  • Kann der persönliche Glaube dabei helfen?
  • Welche Bedeutung hat Jesus für Christen bei dieser Frage?

Eine Vertiefung beim Verständnis von Schuld und Sünde kann zu mehr Gerechtigkeit führen und neue Chancen auch bei schwerer Schuld eröffnen.

Zum gesamten Text der 11. Kernfrage

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3 Kommentare

  • Heiderose Gärtner-Schultz schrieb:

    Über alles hinaus denken!
    „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,5) ruft uns das Markusevangelium entgegen. Metanoeite wurde mit „kehrt um“ oder „tut Buße“ übersetzt. Die Wiedergabe mit „tut Buße“ geht auf die Vulgata zurück (lateinische Übersetzung, 5. Jahrhundert). Metanoia wurde mithilfe des Begriffs „Umdenken“ beschrieben. Im Zusammenhang mit der Markusstelle, ist mehr gefordert: Die Formulierung: „Denkt über alles hinaus!“, weist in die gemeinte Richtung. Gedacht ist also nicht an ein Umdenken im Sinne einer Rückkehr zu Früherem, zu dem, was bisher gut und richtig war. Über etwas hinausdenken, heißt neu denken lernen, bedeutet Hinkehr zu Größerem. Größer und weiterdenken, das ist ein Geschenk Jesu an uns. Es übersteigt uns nämlich. Denkt über das hinaus, was eure Vorstellungen von Moral, Umgang miteinander, euer Tun und Handeln prägt. Pinchas Lapide benutzt folgendes Wort: „Sinnt um“. Ganzheitlichkeit wird mit dem Begriff „sinnen“ ausgedrückt, er geht über die Rationalität des denkenden Erfassens hinausgeht.
    Da, wo den Menschen das Reich Gottes nahekommt, sei es in Heilungserfahrungen (Mt 6,12), oder im Wort (z.B. Apg 2,33), haben sie die Möglichkeit umzudenken, neue Sichtweisen an ihr Leben anzulegen, die durch die gute Erfahrung der Nähe Gottes bestimmt sind. Das „Neu-Sehen“ lernen ist die Voraussetzung zu einem veränderten Leben (Lk 13,3). Damit geht die kritische Sicht der vorhergehenden Art, Leben zu gestalteten, einher und die Einsicht, auf die bisherige Weise nicht weitermachen zu wollen. Die Freude Gottes über einen, der „weiter sehen“ lernt, ist groß (Lk 15,7).
    Zachäus, der Zolleinnehmer, verlangt zu viel Zoll und betrügt Menschen um ihr Geld. Jesus isst mit dem verachteten Betrüger. Zachäus erfährt durch Jesus ein größeres Denken über Grenzen hinaus, die wichtiger ist, als viel zu besitzen. Sein innerer Horizont hat sich erweitert, von seinem bisherigen Verhalten verabschiedet er sich, er bereut es und beginnt nun die Fülle des Lebens zu leben, denn er ist mit sich und Gott im Reinen.

  • EAiD-Hauskreis Celle schrieb:

    Eine Gruppe des Hauskreises Celle der EAiD (9 Frauen, 4 Männer) diskutiert am 17.9.2013 gemäß den Kernfragen des Glaubens“ (evangelische Aspekte, Heft1, Märez 2013) zu Thema
    Schuld – Sühne – Vergebung
    Die Teilnehmer des Gesprächskreises schildern ihre Erfahrungen und Bemühungen in der Begegnung mit Schuld und persönlichem Versagen „in Gedanken, Worten und Werken“.
    Wie gehen wir verantwortungsvoll mit unserem täglichen Schuldigwerden um?
    Mit vielfältigen Schuldmöglichkeiten konfrontiert, nicht nur im individuellen und psychologischen, sondern auch im sozialen, geschäftlichen und ökologischen Bereich werden wir ständig in schuldhaften Versäumnissen und Handlungen hineingezogen, denen wir mit Bagatellisierung, Verdrängung, Verleugnung und Abschieben der Schuld begegnen. „Ich begehre, daran nicht schul zu sein“.
    Wir unterscheiden fahrlässige und unbewußte Vergehen. Bei einigen Menschen wird eine geringe Schuldfähigkeit wahrgenommen, andere leiden zutiefst an ihrem Fehlverhalten. „Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen des Guten finde ich nicht..“ (Röm. 7,18). „So tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“
    Wir fragen nach der Herkunft des Bösen, sprechen über die Erbsünde.. Diese ist vielen unverständlich gerade im Licht der modernen Naturwissenschaften.
    Die Lehre der Kirche neige gelegentlich dazu, die Schwere unserer Sündhaftigkeit in das Zentrum ihrer Ausführungen zu rücken. Eie Teilnehmerin beklagte den Unterricht ihres Konfirmators, der Schulgefühle weckend ihren Zugang zum Glauben nachhaltig erschwerte.
    Was bringt die Ausweitung des Schuldbegriffs auf das religiöse Sündenverständnis?
    Unser Glaubensbekenntnis verkündet Befreiung von Schul, die Vergebung der Sünden, die dem gläubigen Christen nach Luther – wir vergewissern uns anhand des kleine Katechismus – täglich und reichlich gewährt und uns nach Schuld- und -reuebekenntnis sowie Bitte um Vergebung im Heiligen Abendmahl zugesprochen wird.
    Welchen Wert hat und was bewirkt Vergebung?
    Vergebung ist ein Geschenk von umfassender Bedeutung – Wiedergeburt bewirkend – Befeiung, Erleichterung, Dankbarkeit, Freisetzung positiver Kräfte, guter Vorsätze , Bewusstsein der eigenen Fehlbarkeit, Umdenken, Versuch der Umkehr, Toleranzbereitschaft. Vergebung fördert Verantwortungsgefühl, Engagement für den Nächsten, Achtsamkeit, stärkt zwischenmenschliche Beziehungen, ermöglicht gemeinsames Leben und Handeln, bewirkt Heilung, heilt auch kranke Verhältnisse, spendet Mut.
    Wie bringen wir die Bereitschaft auf, Schuld anderer zu verzeihen?
    Es müßte selbstverständlich sein, die von Gott empfangene befreiende Vergebung aus Dankbarkeit auf unsere Schuldner zu übertragen. „Mir ist Erbarmung widerfahren, derer ich nicht wert..“ (Lied 355).
    Doch das Vergeben von Schuld ist schwer. Wir denken an Beziehungskrisen, Erbauseinandersetzungen und –feindschaften in Familien und Völkern, an Kriege, interreligiöse Auseinandersetzungen, Terrorakte, Völkermord.
    Im Gleichnis vom Schalksknecht verurteilt Jesus die Handlungsweise des reichbeschenkten Ministers hart. Es gibt keine Versöhnung mit Gott ohne Versöhnung im zwischenmenschlichen Bereich. Wir beten im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..“
    Wir schauen auf Christi Wirken im Umgang mit Sündern und Unreinen, die er durch Sündenvergebung von seelischem und körperlichem Leid befeit. Unser Glaube kann uns helfen, auch unseren Schuldigern zu verzeihen.
    Abschließend bedenken wir einen Text, Christi Sterben betreffend, von Klaus Peter Jörns , der die Deutung des Kreuzestodes Christi als Sühnopfer ablehnt
    Einigen Teilnehmern fällt es ebenfalls schwer, Christi Tod als Sühne bewirkendes Opfer für die sündige Menschheit zu verstehen und in einige der schönen innigen Passionslieder einzustimmen.
    Nach Jörns ist Jesus bereit, für seine „Gottesverkündigung“, „das Zeugnis der bedingungslosen Liebe Gottes“ den Tod auf sich zu nehmen . Noch am Kreuz bittet er für die in Sünde gefallenen Menschen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ – und tröstet den neben ihm leidenden Verurteilten. „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“.
    Stärker als alle theologischen Erörterungen bewegen uns die Arien aus Bachs Passionen, die in Wort und Ton so wunderbar stimmig sind: “Aus Liebe muss mein Heiland sterben, von einer Sünde weiß er nichts!“ — Sehet, Jesus hat die Hand uns zu fassen ausgespannt!“ Die Position von Jörns konnte so nicht von allen Teilnehmern für ihr persönliches Leben nachvollzogen werden,.
    Handschriftlich eingesandt von Dorothea Thieme , Berggartenstr. 14, 29223Celle

  • Veit Schäfer schrieb:

    „Nach evangelischem Verständnis wird in der Feier des Abendmahls Vergebung empfangen. Das zeigen die sog. Einsetzungs-Worte: „…für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“ Dazu Luther in seinem Katechismus: „Und wer diesen Worten glaubt, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden.“

    Liebe Damen und Herren, einerseits freue ich mich, wie unspektakulär Sie die „Einsetzungsworte“ abhandeln. Andererseits steht diese zitierte blasse Passage für mich in einem erheblichen Widerspruch zu Verkündigung und Liturgie in den Evangelischen Kirchen, wo nach wie vor die Erlösung durch das vergossene Blut Jesu durchaus aktuell ist! Wie oft wird da noch das erlösende, von Sünden befreiende Blut/Opfer Jesu besungen und beschworen – mindestens in Formeln.

    Ich meine, Sie müssten sich in der 11. Kernfrage ausführlicher und entschiedener mit der Frage auseinandersetzen, ob die Kirche die eigentlich nur noch mythologisch erklärbare Lehre von der Versöhnung mit Gott durch das Kreuzesopfer seines „Sohnes“ aufrecht erhalten kann und will.

    Nach allem, was ich inzwischen gelernt habe, ist es ja nicht ausgemacht, dass der historische Jesus seinen Tod als Opfertod für die Sünden der Welt verstand. Das ist das „Evangelium“ des Paulus. Hubertus Halbfas: „Jesus starb, wie er lebte, wie er lehrte – nicht um die Menschen zu erlösen, sondern um zu zeigen, wie man zu leben hat.“

    Es ist zudem zweifelhaft, ob das „Letzte Abendmahl“ von Jesus wirklich als ein die Zeiten überdauerndes „Kultritual“ (Halbfas) angesehen werden kann, d. h. ob es sich von einem schlichten letzten Mahl Jesu mit seinen Freunden und Schülern unterschied, einem Mahl, wie er es immer wieder mit ihnen feierte.
    .“