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1. Warum Kern-„Fragen“, wenn es um unseren Glauben geht? Warum nicht Kern-„Aussagen“?

2. April 2013 | Erstellt von Arbeitskreis Thema Allgemeines

Wir sind unsicher geworden.

In den protestantischen Kirchen Europas, zumal in Deutschland breitet sich Unsicherheit aus, wie man der schwindenden Bindung ihrer Mitglieder an die Organisation und ihrer Verkündigung begegnen kann.

Auch das Verständnis des Glaubens ist unsicher geworden. Selbst Aussagen im Glaubensbekenntnis zu Gott und über den Heiligen Geist werden nicht mehr voll bejaht. Erkenntnisse der Naturwissenschaften lassen manches früher für selbstverständlich Gehaltene als fraglich und überholt erscheinen.

Vieles erscheint aber auch in einem neuen Licht. Es lohnt sich, Fragen zu stellen, auch wenn nicht gleich und nicht leicht Antworten zu finden sind. Neue Ansätze in der Theologie sind überraschend und weiterführend. Sie sind nicht nur in der Spanne zwischen säkularisiertem Denken und Fundamentalismus zu finden. Auch auf individueller Ebene kann ergebnisoffen nach dem Grund des Glaubens gefragt werden. Wir stellen keine neuen „Kernsätze des Glaubens“ auf, sondern wir fragen nach neuen Möglichkeiten zu glauben, tun dies gerne miteinander und auch zusammen mit anderen Interessierten. Unser Glaube an Gott und unsere „Gottesbilder“ müssen nicht in negativer Theologie enden. Neue Gottesbilder korrespondieren mit dem, was wir über die Welt wissen können.

Zum gesamten Text der 1. Kernfrage

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10 Kommentare

  • Christian Schmill schrieb:

    Den Aufruf zur Reformation kann ich nur voll unterstreichen. Auch Pluralismus finde ich wichtig und notwendig. Meine Frage ist, wie weit Reformation inhaltlich gehen darf.

    Wenn ich heute in eine evangelische Kirche gehe, weiß ich nicht, was mich erwartet. Gibt es noch jemand, der das glaubt, was Martin Luther geglaubt hat? Wäre das überhaupt wünschenswert? Gibt es noch einen Konsens, so etwas wie einen kleinen gemeinsamen Nenner, was alle evangelischen Christen glauben? Christian Schmill am 1.3.15

  • Werner Grau schrieb:

    Warum Kernfragen und nicht Kernbehauptungen?

    Warum sprechen wir in der Fortführung unserer Diskussion im Internet-Forum von Kernfragen des Glaubens und nicht von Kernbehauptungen?
    Weil sich in den protestantischen Kirchen Europas, zumal in Deutschland, Unsicherheit ausgebreitet hat, was es heißt, zu glauben und woran zu glauben sei. Das ist nicht nur gefühlt, sondern schlägt sich in Austrittszahlen und einer Zunahme der Distanziertheit zur verfassten Kirche, in nachlassenden Gottesdienstbesuchen nieder. Dies, obwohl die für die katholische Kirche in der gleichen Situation genannten Gründe, Priestermangel, Frauenordination, Zölibat, den Protestanten nicht zu schaffen machen.
    Auch wer der Kirche noch nahe steht kann Unsicherheit verspüren und sie in den Gesprächen über Glauben und Bekenntnis erfahren.
    Wer ist das, der „Dreieine Gott“? Wer ist das, sein „Sohn“, dessen Tod und Auferstehung uns von Sünden lossprechen und das ewige Leben verheißen sollen? Sünde, gibt es das überhaupt? Wir führen das Wort gar nicht mehr im Munde, geschweige denn, dass wir unsere Fehltritte so nennen sollten (weshalb wir vielleicht auch nicht mehr zwischen Schuld und schicksalhaftem Unglück unterscheiden könne)n.
    Wir, denen Sterblichkeit als unausweichliches Los alles Lebendigen bewusst ist, selbst wenn wir das zeitlebens verdrängen.
    Wo finden wir auch den Heiligen Geist? In den Beschleunigerkathedralen der Physiker , wo diese das „Gottesteilchen“ als das „missing link“ einer durch und durch materiell verstandenen Welt finden wollen?

    Wir sprechen das apostolische Glaubensbekenntnis allsonntäglich, oder auch nur bei besonderen Anlässen, je nach Landeskirche. Aber nicht wenige fragen sich, ob sie dabei nicht einem Missverständnis aufsitzen.
    Weil in ihren Köpfen eine andere Vorstellung Platz gegriffen hat als die von der Welt geteilt in Unterwelt, dem Reich des Todes, Erde als Schauplatz des Lebens und dem Himmel dort oben, versprochen, wenn wir das Gericht bestanden haben. Welches Gericht denn? Von welchen unterirdischen und oberirdischen Orten ist die Rede? Gott als Schöpfer der Welt, das klingt plausibel, wenn man dabei an den Urknall denken kann.

    Aber auch als der allmächtige Vater wird er angesprochen. Und sofort steht das Bild vor Augen vom hoheitsvollen Alten mit weißem Bart, der im wallenden Gewand auf der Wolke thront. Gott wie ein überaus erhabener Mensch, nur viel älter als jedes Menschenalter, ewig sogar und von unermesslicher Macht. Ein majestätischer Herrscher mit „Heerscharen“, für den wir nicht nur Kinder, sondern auch Untertanen sind.

    Solche Bilder können wir können wir nicht ohne weiteres zusammensehen und zusammendenken mit dem, was wir, meist nur ganz unvollkommen verstanden, aber jedenfalls in einem rationalen Zusammenhang begründet, und beglaubigt durch technische Bewältigung unser Lebenswelt, als das „naturwissenschaftliche Weltbild der Moderne“ verinnerlicht haben.

    Was könnte näher liegen als einen „Ruck in den Köpfen“ zu fordern, der Kirchenleitungen und ihres Personals, damit darin neue Theologien Platz greifen können. Sie seit dem Aufbruch in die historisch-kritische, liberale Theologie seit dem 19. Jahrhundert. Von den gelehrten Köpfen des europäischen Protestantismus vorgelegt wurden.
    Öffnet sich damit nicht der Weg, die Glaubensinhalte und Glaubensformeln en neuen Erkenntnissen der Naturwissenschaften und ihrem Weltbild anzupassen. Dass es ein solches gebe, was sich unzweideutig als richtige Weltbeschreibung herausgestellt hat. Daran hat man keinen Zweifel.
    Oder müssen wir uns damit abfinden, dass der Diskurs zwischen Naturwissenschaftlern und Theologen, wenn er nicht schon als entschieden gelten kann, nur noch als Konfrontation eines fundamentalistischen Naturalismus mit einer mehr oder weniger dogmatischen, in jedem Fall aber unzeitgemäßen Religiosität und ihrem überholten Weltbild ausgetragen werden kann? Eine Auseinandersetzung , die bei fortschreitender Säkularisierung des Denkens mit dem Verschwinden jeglichen Glaubens an eine Sphäre des Göttlichen enden müsste.

    Einen Ausweg sucht der, dem eine relativierende Koexistenz der Weltauffassungen vor Augen steht, ein friedliches oder auch gleichwertig-gleichgültiges Nebeneinander von mehr oder weniger individuellen Glaubensüberzeugungen vom Göttlichen und Numinosen einerseits, überindividuell überprüfbaren Wirklichkeitsaussagen im Rahmen wissenschaftlicher Methodik andrerseits. Einer Sichtweise, wie sie
    der Großtheologe und Weltethiker Hans Küng vorträgt, wenn er einer Synthese der Erkenntniswege eine Absage erteilt, weil er ganz offensichtlich nicht zu viel an traditionellem Glaubensbestand opfern will.

    Kann man aber behaupten, wie wir die Welt im Glauben erkennen, könne überhaupt nicht in Widerspruch geraten, zu dem, was die Naturwissenschaft über diese Welt zu sagen hat? Eine agnostische Haltung der Naturwissenschaftler wäre die logische Konsequenz. Deren methodische Selbstbegrenzung führt notwendig zur Ausgrenzung des nicht überindividuell Überprüfbaren, dessen, was schlechthin „geglaubt werden muss“ als nichtwissenschaftlich, wenn nicht als irrelevant oder falsch.
    Dass es zwischen der Naturwissenschaft als dem Bereich des „Wissens“ und der Religion als dem Bereich des „Glaubens“ keinen Widerspruch geben kann, wäre dann eine Aussage, die wir zuallererst von den Naturwissenschaftlern erwarten müssten.

    Werner Grau

  • Horst Scheitel schrieb:

    „Der Glaube hat das ewige Heil im Auge, die Politik das irdische. Deshalb dürfen Glaube und Politik nicht vermischt werden.“ ( Bildschirmtext-Info zum ZDF-Fernsehgottesdienst vom 09.03.2014)
    Da sind sie wieder, die 2 getrennten Reiche des religiösen Glaubens einerseits und des realen Lebens andererseits! Glaube als Freizeitgestaltung zur Erlangung der ewigen Seligkeit – das ist es, was von „aufgeklärten“ Zeitgenossen „toleriert“ wird, achselzuckend zwar, aber immerhin toleriert.
    Richtig ist dabei lediglich, dass die genannte Glaubensrichtung nicht in die Politik gehört.
    Aber es gibt eine zweite Richtung, die in der Gesellschaft offenbar immer noch ignoriert oder sogar unterdrückt wird – der von Jesus vorgelebte und verkündigte lebensbezogene Glaube. Jedoch bereits seit Paulus machen sich Theologen hauptsächlich über die Wege zum ewige Heil Gedanken. Zu Zeiten Jesu waren es die Pharisäer, die dieses Ziel durch strenge Befolgung teilweise lebensferner Vorschriften zu erlangen hofften. Jesus bezeichnete sie als Blinde, die Blinde führen (Mt15,14).
    Heutige rational denkende Menschen wollen jedoch wie Jesus die Gegenwart lebenswert gestalten. Manche theologische Konstruktionen sagen ihnen nichts mehr. Sie verabschieden sich von der Kirche und damit meistens gleichzeitig von Gott. Politische Gestaltung ist jedoch ohne Glauben nicht zu haben! Ein Politiker muss eine Vorstellung haben, wo er hin will, bzw. dass der Weg, auf den er gedrängt wird, gangbar ist und Zukunft hat. Zukunft kann man jedoch niemals wissen, sondern nur glauben, d.h., für möglich halten und darauf vertrauen.
    Zentraler politischer Glaubensinhalt heute ist immer noch „stetiges Wirtschaftswachstum mit mehr Konsum und mehr Wohlstand“. Bereits gescheiterte Glaubensrichtungen sind „Historische Mission der Arbeiterklasse“ und „Deutsch ist Herrenrasse“. Im Gegensatz dazu ist doch Jesu Vision vom hier und jetzt beginnenden Reich Gottes eine sinnvolle, die Zeiten überdauernde Richtungsweisung für das reale Leben! In nichtreligiöser Sprache bedeutet das, die Rahmenbedingungen so zu schaffen und die Weichen so zu stellen, dass Gesellschaft als Ganzes gelingen, und jeder Mensch seinen angemessenen Platz finden kann.
    Glaube und Politik sind vermischt und werden es immer bleiben!

    In der Sprache eines Technikers ist Religion eine komplexe Größe mit Realteil in der Horizontalen und Imaginärteil in der Vertikalen, analog einer komplexen Zahl in der Mathematik. Die individuelle Ausprägung dieser beiden Anteile charakterisiert jeden Menschen als eher kultisch-spirituell, eher praktisch-lebensbezogen oder mit beliebigen Anteilen von beidem dazwischenliegend. Es gibt also nicht nur „2 Strömungen“ in der Religion, sondern eine unendliche Vielzahl von individuellen Ausrichtungen, gekennzeichnet durch die Größen der imaginären und realen Anteile. Eine Religion kann und muss daher alle ihre Anhänger bedienen. Die imaginäre Komponente sollte nicht Selbstzweck sein, jedoch ist sie zur Begründung der Zielstellung und Motivation für die reale Wirkrichtung unerlässlich. Die Realteile der verschiedenen Religionen einschließlich des atheistischen Humanismus bilden die Basis für eine religionsübergreifende fruchtbare Zusammenarbeit. Überbewertete Imaginärteile dagegen liefern den Zündstoff für Streitigkeiten und Hass sowohl innerhalb einer Religion als auch der Religionen untereinander. Die Differenzen der Imaginärteile sind unüberbrückbar und sollten möglichst aus der Öffentlichkeit heraus gehalten werden (Mt 6,1 und 5). In der Elektrotechnik gibt es auch dafür eine passende Parallele: Elektrische Leistung in der Vertikalen wird als Blindleistung bezeichnet, eine solche in der Horizontalen als Wirkleistung. Bei einem Motor ist der Blindleistungsanteil unvermeidlich, sollte jedoch so klein wie möglich sein. Viele Verbraucher dagegen haben gar keinen und werden trotzdem warm oder leuchten.

    In der heutigen von Wissenschaft und Technik geprägten Zeit müssen derartige technische Analogien zum Religiösen zulässig sein. Maschinen und Geräte sind u.a. perfektionierte Nachahmungen menschlicher Einzelmerkmale auf der Basis gemeinsamer Funktionsprinzipien. Auch ein Computer lässt sich durch entsprechende Programmierung so vermenschlichen, dass er manchmal das falsche Programm startet, ein andermal dividiert statt addiert oder ab und zu eine Datei nicht findet. Solch einer würde allerdings für überlebenswichtige Steuerungsaufgaben nicht eingesetzt werden.
    Horst Scheitel

  • Rudolf Reichert schrieb:

    Unser Diskussionsbeitrag zu Punkt 1

    1) Warum Kernfragen?

    a) Fragen aus Ausgangspunkt
    b) Glaubensinhalte, den neuen Erkenntnissen, anpassen?
    c) Kein Widerspruch zwischen Glauben und Naturwissenschaft?
    d) Statt Konfrontation Koexistenz: Synthese

    Ich freue mich, in dieser Zeit der Unsicherheit, Menschen zu finden, die Fragen an die Glaubens-inhalte christlicher Überlieferung stellen. Die von der „ea“ (evangelischen Akademikerschaft) formulierten 15 Kernfragen sind nach meiner Überzeugung sehr aktuell und erwarten dringend bedacht und diskutiert zu werden.

    Nach meiner Überzeugung stehen wir heute in Wirtschaft und Religion vor einem Paradigmen-wechsel wie zur Zeit des Galilei Galileo. Entweder wir fangen an über die Kernfragen unseres christlichen Glaubens nach zu denken, zu meditieren, oder wir werden orientierungslos.

    Allerdings sollten diese Fragen allgemeinverständlich, und auch vom Gefühl her, besprochen, diskutiert, ja meditiert werden, und nicht im Elfenbeinturm einer hohen unverständlichen Wissen-schaftsatmosphäre.

    Meine Gedanken zu Punkt 1) Warum Kernfragen sind folgende:

    a) Fragen aus Ausgangspunkt

    Der Ausgangspunkt ist das „apostolische Glaubensbekenntnis“, das heute noch in christlichen Gottesdiensten benutzt wird. Meine Frau und ich, wir sind beide über achtzig Jahre alt und wir sind seit 59 Jahren verheiratet. Wir haben Jahrzehnte lang in der Katholischen Kirche ehrenamt-lich mitgearbeitet, mit Schwerpunkt für die Ökumene. Wir sind jedoch am 21.01.2012 aus der Kirche ausgetreten, weil wir die Gängelung im Glauben vor unserem Gewissen nicht mehr ver-antworten konnten. Wir haben unsere Grundüberzeugung zu den einzelnen Glaubensartikeln des apostolischen Glaubensbekenntnisses miteinander diskutiert und niedergeschrieben. Daraus ist ein Buchprojekt geworden das vielleicht auch gedruckt wird. In diesem Projekt haben wir auch Fra-gen angesprochen, und unsere Sicht dazu zur Diskussion gestellt, wie Fragen über:
    – Wer ist das, der dreieine Gott?
    – Wer ist das, sein Sohn?
    – Wo finden wir Ihn, den heiligen Geist?
    – Was war das, der Urknall?
    Wir meinen unser Glaubensleben braucht viel mehr Toleranz als früher, weil es, in der uns bevor-stehenden Übergangszeit, viel mehr Vielfalt zulassen muss.

    b) Glaubensinhalte den neuen Erkenntnissen anpassen?

    Wir meinen, die Glaubensinhalte müssen nicht neuen Erkenntnissen angepasst werden. Wir meinen, die bisherige Sprache, mit der die Glaubensinhalte formuliert wurden, muss angepasst wer-den.

    c) Kein Widerspruch zwischen Glauben und Naturwissenschaft?

    Wir sehen keinen Widerspruch zwischen Glaube und Naturwissenschaft. Natürlich können neue Erkenntnisse der Naturwissenschaft zeitweilen schockieren, aber es sind in unseren Augen Hin-weise vom Heiligen Geist, über die wir nachdenken müssen.

    d) Statt Konfrontation und Koexistenz: Synthese

    Der Fall Galilei zeigt uns doch einwandfrei, dass die Naturwissenschaft den Glauben nicht zer-stört sondern ihn vertieft. Zerstört wird der Glaube nur durch sture Rechthaberei.

    So weit unsere Gedanken zum Ausgangspunkt der 15 Kernfragen. Gerne stellen wir in nächster Zeit auch unsere Gedanken zu den einzelnen der 15 Kernfragen zur Diskussion. Wir meinen, die Zeit ist reif. Wir sollten uns über unseren Christlichen Glauben austauschen. Hat doch Jesus selbst in seinen Abschiedsreden gesagt:

    Noch vieles hätte ich euch zu sagen;
    aber Ihr könnt es jetzt noch nicht ertragen.
    Wenn jener aber kommt, der Geist der Wahrheit,
    wird er euch zur vollen Wahrheit führen.
    [ Joh. 16. 12-13]

    Und zu den Meinungsverschiedenheiten, die es geben kann, hat er gesagt:

    Lasst beides wachsen bis zur Ernte.
    [ Matth. 13. 29-30]

    Rudolf Reichert.

  • Horst Scheitel schrieb:

    Der christliche Glaube hat 2 Bestandteile:
    1. das, was Jesus als Gute Nachricht über das Kommen des Reiches Gottes verkündigt hat, und
    2. die Theologie des Paulus mit Gottessohnschaft und Opfertod Jesu sowie Versöhnung der Sünder mit Gott.
    Beide Teile haben Gemeinsamkeiten (z.B. Liebe zum Mitmenschen) aber auch fundamentale Gegensätze (z.B. Jesus: etwas im Sinne Gottes zu tun ist entscheidend – Paulus: das mündliche Bekenntnis zu Jesus ist entscheidend)
    Diese Bandbreite ermöglicht es Menschen von Mutter Teresa bis zum Mafiaboss Christ zu sein.
    Mittelpunkt der kirchlichen Verkündigung ist die paulinische Theologie.

    Muss hier nicht mal aufgeräumt werden? Bei der Zusammenstellung des Bibelkanons hat man es doch auch getan.

    Kommt heute eine Botschaft noch bei den Menschen an, wenn sie in Wundergeschichten verpackt ist?
    Können kirchliche Inhalte in sich logisch, widerspruchsfrei und aus der heutigen Zeit heraus verständlich dargestellt werden? Beispielsweise ist „Der Heilige Geist“ ein mit vielen Fragezeichen behafteter Begriff. Jesus hat uns „seinen Geist“ dagelassen, damit wir uns auch ohne Jesus in der Welt zurechtfinden. Eine klare Bedeutung bekommt dieser Begriff, wenn wir „Geist“ als „Gesinnung“ verstehen und ihn als Gegensatz zum bösen Geist, den Jesus austreibt, betrachten. Vielleicht wollte uns Jesus mitteilen, dass „miteinander statt gegeneinander“ das Ziel der menschlichen Evolution ist? Evolution des Universums und des Lebens sind das Werk Gottes. Jesus hätte somit auf die Menschwerdung als zukünftigen Plan Gottes hingewiesen.
    Welche Teile des christlichen Glaubens haben eine politische Dimension?
    Sollte der christliche Glaube nicht primär gesellschaftsgestaltende Funktion haben und erst sekundär über die Härten des Lebens, die zum Teil durch gesellschaftliche Orientierungslosigkeit bedingt sind, hinwegtrösten?

    • Huss schrieb:

      Sehr guter Ansatz. Aber wohl Utopie! Das Dilemma scheint mir darin zu liegen, daß die wünschenswerte Überarbeitung zwar eine sehr wichtige Population wieder an die Kirche heranführen würde,die die allfällige Infantilisierung in der Pastoralen Verkündigung mit ergänzender Auslegung eher abschreckt. Aber wie die Volksfrömmigkeit,bedienen, die letztlich die Kirche trägt (gott sei dank!). Gesegnet die Gemeinden, wo man wenigstens Gesprächspartner findet, die Gedanken wie die Aufarbeitung der biblischen Inhalte nicht a priori für Teufelszeug halten. Vieles ist glaubensmöglich, nur wenig glaubensnötig. Soviel Freiheit muß sein.
      Huss

      • Horst Scheitel schrieb:

        Lieber Huss,
        Sie bewerten den „sehr guten Ansatz“ allem Anschein nach als nicht realisierbar. Dieses Schicksal widerfährt leider fast jedem neuen Gedanken. Aufräumen heißt in unserem Fall ja nicht unbedingt wegwerfen, sondern zunächst einmal übersichtlich ordnen.
        Erst war Jesus aufgetreten mit seiner Aufforderung „Kehrt um! Ändert euch!“
        Dann kam Paulus mit einer Theologie zur Entschärfung dieser für viele als unrealisierbar erscheinenden Forderung.
        Jesus hat gezeigt, wie sich die Welt zum Besseren verändern kann. Paulus hilft, sie zu ertragen, wie sie ist. Beides hat seine Zeit und seine Adressaten, schießt sich als evolutionäre Entwicklung verstanden also gegenseitig nicht aus.
        Horst Scheitel

  • Irmintraut Hegele schrieb:

    Zielsetzungen für das Projekt „Kernfragen des Glaubens“
    Die geplante Zusammenstellung von Antworten auf „Kernfragen des Glaubens“ bedarf einer guten Zielsetzung. Petra Bahrs Thesen in der ZEIT Nr, 19 finde ich beachtlich:
    Mut zur Veränderung! Die Reformation geht weiter. Auch für den Glauben.
    Evangelische Akademikerschaft stellt „Kernfragen des Glaubens“ zur Diskussion

    Der Glaube verändert sich. Und das ist gut so. Wenn Religion nicht auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagiert hätte, gäbe es sie wahrscheinlich nur noch im Museum. Ausgestorben.
    Der christliche Glaube in seiner evangelischen Ausprägung hat es fertig gebracht, auf die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen in seiner Umgebung mit erheblichen Veränderungen zu reagieren – und doch am Wesentlichen festzuhalten: Von den Wurzeln im Judentum Übergang zur Weltreligion, Öffnung zu konfessioneller Vielfalt durch Orthodoxie (1054) und Reformation (1517); Aufklärung und wissenschaftlicher Fortschritt in der Neuzeit. Das vollzieht sich auch in unserer Gegenwart wieder: Noch ungewohnt, erwartungsvoll, hoffend, zögernd.
    Petra Bahr nennt in der ZEIT (Nr. 19: Bewegt euch!) zu Beginn des Kirchentages in Hamburg Möglichkeiten für Veränderungen, darunter:
    • Vergesst die Kirche! Stellt euch das Christentum wieder als eine Bewegung vor, eine Gottesvolkbewegung auf einem gemeinsamen Weg!
    • Macht Platz für das Evangelium! Reformation ist eine Aufräumaktion. Der Funke der Erneuerung des Christentums entzündet sich an der Deutung des christlichen Glaubens.
    • Habt Mut zur Theologie! Es ist an der Zeit, die theologischen Gehalte des Christentums neu zu entdecken. Wie kann man heute von Sünde reden? Wird es nicht Zeit, das Jüngste Gericht mal wieder gegenüber all den medialen Weltgerichten in Stellung zu bringen?
    • Vergesst das Denken nicht! Wissenwollen und rastlose Neugier vertragen sich mit Glauben. Der Protestantismus ist eine Bewegung des Selberdenkens. Deshalb ist es fahrlässig, den Knoten zwischen dem Glauben der Kirche und den Wissenschaften zu lösen.
    Im Sinne dieser Aufforderungen hat die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland damit begonnen, neue, eigene Antworten auf aktuelle Glaubensfragen“ zu sammeln.
    Auf der zum Beginn des Kirchentages in Hamburg freigeschalteten Online-Plattform (www.kernfragen-des-glaubens.de) können Themenfelder wie Glaube, Gott, Jesus, Kirche, Schuld und Vergebung, Tod und Ewiges Leben kommentiert und diskutiert werden .
    Begründung der Veranstalter: „Viele Kernsätze des christlichen Glaubens und Bibelworte werden heute auch von Mitgliedern der Kirchen nicht mehr verstanden und nur noch teilweise akzeptiert. Erkenntnisse der Naturwissenschaften gelten als Gegensätze zu Glaubenslehren. Das führt bei manchen Christen zur Abkehr vom traditionellen Glaubensbekenntnis, wie es bis heute in den Kirchen gesprochen wird. Daneben gibt es zunehmend die Bereitschaft zu individuellen Formen des Glaubens und des Bekenntnisses, sowie Offenheit für alternative religiöse Vorstellungen, die an eine Evolution des christlichen Glaubens denken lassen.“
    Aus den Ergebnissen soll ein Beitrag zur 500-Jahrfeier der Reformation entstehen, nach den Motto: Die Reformation geht weiter! Auch für den Glauben.
    Das Ungewöhnliche an diesem Unternehmen:
    • Diskussion und Zusammenarbeit läuft über das Internet.
    • Es sind nicht nur Mitglieder der Evangelischen Akademikerschaft, Theologen, Kirchenvertreter oder Christen zur Beteiligung eingeladen. Besonders gefragt ist „Theologie von unten“!
    • Es geht dabei aber nicht um Kritik an traditionell-konservativem Verständnis von Glaubensinhalten, sondern um Versuche weiterführender Interpretation.

  • Gerd Neubronner schrieb:

    Es gibt neue Einsichten der Naturwissenschaft, die bei einer Modernisierung des christlichen Glaubens eine Rolle spielen können. Der Ort für diese Nuancierung müssten die Kirchenparlamente (Synoden) sein. Damit das passiert, sollten die evangelischen Landeskirchen bei der Kirchenwahl sagen, wer von den Kandidaten überhaupt reformbereit ist, wer nicht. Die Synodalen müssten Fraktionen bilden dürfen. Teilweise Anworten dürfen auch aus anderen Religionen stammen. Natürlich darf der Glaube an Jesu Kreuz nicht völlig aufgegeben werden; Theologen sollten deshalb ein Quotenvorrecht bis 33% erhalten, sodaß Beschlüsse der Synoden vom kirchlichen Verfassungsgericht überprüft werden können.
    Gerd Neubronner . 4/2013.

    • Rudolf Reichert schrieb:

      Ja, es gibt neue Einsichten der Naturwissenschaft, wie Gerd Neubronner schreibt. Wir müssen sie auch in unsere Glaubensvorstellungen mit einbeziehen.

      Wir brauchen, wie Irmintraut Hegele schreibt, Mut zur Veränderung! Die Reform geht weiter. Auch für den Glauben.

      Horst Scheitel hat sicherlich sehr richtig die zwei Grundströmungen im christlichen Glauben der Vergangenheit angesprochen. Da kommt ein Paradigmenwechsel (ein Wechsel im alten, leider zu sehr vermenschlichten, Gottesbild) auf uns zu, wie zur Zeit des Galilei Galileo. Damals hat sich die Kirche mit aller Macht gegen die neue Erkenntnis gestellt. Sie hatte Unrecht, wie wir heute wissen.

      Aber auch Huss hat recht wenn er fragt: „Wie die Volksfrömmigkeit bedienen, die letztlich die Kirche trägt“? Die neuen Erkenntnisse werden, wie zur Zeit des Galilei, Ängste erzeugen. Ängste im Volk aber auch unter den Führenden.

      Deshalb meine ich, wir müssen zurück zu Jesus von Nazareth, er hat auch erkannt, dass manche Menschen seiner Zeit ihn noch nicht verstehen konnten. Hat er doch gesagt: „Noch vieles hätte ich euch zu sagen … [Joh. 16. 12-13]“. Mit Sicherheit wird es bei dieser Umwandlung im Denken Meinungsverschiedenheiten geben. Auch da müssen wir uns an die Weisung des Mannes aus Nazareth halten. Er sagte: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte … [Matth. 13. 29-30]“. Aber er war auch ein starker, stürmischer Reformer. Deshalb sagte er auch: „Für das Reich Gottes ist niemand brauchbar, der Hand an den Pflug legt und wieder rückwärts schaut“ [Luk. 9. 62].

      Ich freue mich, dass wir in diesem Forum schon mal über unseren Glauben reden können. Lasst uns offen und achtsam über die vorgeschlagenen 15 Kernfragen des Glaubens miteinander reden.
      Rudolf Reichert.



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