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3. Glaube und Wissen

In welchem Verhältnis stehen Glaube und Wissen? Nicht erst seit der Aufklärung wird Wissenschaft und Wissen als die überlegene Erkenntnisform gegenüber dem Glauben angesehen. Wissenschaft und insbesondere Naturwissenschaft wird für den besten Weg zur Erkenntnis der Wirklichkeit gehalten, auch weil er zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen beiträgt. Wird der Glaube demgegenüber zu gering eingeschätzt? Woher lassen sich heute und in Zukunft Lebenssinn und Wertbewusstsein empfangen? Es ist notwendig, Glaube und Wissen zutreffend zu unterscheiden und eine Vermischung zu vermeiden.

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Die Begriffe „Glauben“ und „Wissen“

In der Umgangssprache wird „glauben“ meistens im Sinne von vermuten, erwarten, meinen, für wahr halten gebraucht. Kritiker setzen das Wort gerne gleich mit „Nicht-Wissen“.

Nach religiösem Verständnis bedeutet glauben (als Verb) vertrauen auf …, sich verlassen auf, … Sich-richten-nach, Offensein für … Offenbarung, Übernatürliches, Transzendentes ….

Als Substantiv (Glauben) bezeichnet das Wort meist bestimmte (Lehr-)Inhalte einer Religion, also z.B. ein Verständnis von Gott, Jesus oder der Kirche. In einem Glaubens­be­­kenntnis sind solche wesentlichen Inhalte zusammengefasst, zur eigenen Vergewisserung, aber auch gegenüber „Andersgläubigen“: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“

Wissen ist das Bewusstsein (die Kenntnis, die Berücksichtigung) von Fakten, Theorien und Regeln und wird auch als Substantiv für deren Dokumentation verwendet. Qualifiziertes Wissen wird als nachweisbar wahre und gerechtfertigte Meinung definiert und unterscheidet sich von Begriffen wie Überzeugung und Glauben.

Der Inhalt von Wissen kann wahr oder falsch sein. Dabei gründet eine wissenschaftlich „wahre“ Erkenntnis auf den definierten Axiomen, der internen Widerspruchsfreiheit, der Wiederholbarkeit im Experiment und der Überprüfbarkeit (verifizierbar oder falsifizierbar).

Vieles im menschlichen Leben ist entsprechend seiner Eigenart nicht (oder jedenfalls nicht ganz) als Wissen zu erfassen, so z.B. der Sinn des Lebens, Krankheit und Schmerzen, Geburt und Tod, das Gefühl, Gott und das Jenseits.

Glauben und Wissen sind voneinander zu unterscheiden, was bei Aussagen des Glaubens und des Wissens schwierig, aber notwendig ist, um ihre Vermischung zu vermeiden.

Die Unterschiede zwischen Glauben und Wissen

Wissenschaft strebt durch eine hochentwickelte Theoriebildung und Methodik den größtmöglichen Grad von objektiver Wahrheit in ihren Aussagen und Untersuchungsergebnisse frei von Widersprüchen an. Das gilt für alle Wissenschaftszweige, also für Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Auch die Theologie arbeitet mit wissenschaftlichen Methoden und hat ihre eigenen Vorgaben. Notwendig (wenn auch nicht immer leicht) ist die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Wissenschaftsgebieten.

Wissen hat auch eine individuelle Dimension. Nach gedanklicher Beschäftigung mit wichtigen Fragen glaubt man meistens, für sich ein Verständnis und Konzepte erarbeitet zu haben, die nicht objektivierbar zu sein brauchen, aber für einen selber verbindlich sind.

Glauben steht auch in einer dynamischen Beziehung zum Unterbewusstsein, in dem Gefühle, Wünsche, Vorstellungen, Ideen verarbeitet und dann in unser Bewusstsein gehoben werden.

Das Verhältnis von Glauben und Wissen, aber auch von Wissen und Glauben verändert sich dauernd sowohl individuell als auch generell. Dabei kann es abwechselnd und mehr oder weniger stark von Widersprüchen, Gegensätzen, Ergänzung oder analoger Übereinstimmung bestimmt sein.

Ken Wilders unterscheidet zwischen prärationalen und transrationalen religiösen Erfahrungen (zitiert in Küstenmacher u.a. „Gott 9.0“). Beide sind nicht-rational, entsprechen also nicht dem Bewusstsein aufgeklärter Vernunft. Im Bereich prärationaler Erfahrung kann es sich um Mythen, Animismus, Magie, Aberglauben oder auch um den einfachen „Kinderglauben“ handeln, die nicht in rationales Verstehen integriert oder damit verbunden sind, (aber keineswegs durch die kritische Vernunft wertlos oder sinnlos gemacht werden, wie z.B. der Religionskritiker Feuerbach meinte). Transrational sind dagegen Erfahrungen, die über die Grenzen rationaler Erkenntnis hinausreichen. Sie werden auch von Christen in kontemplativer Spiritualität, Mystik und Offenheit für Transzendenz erlebt.

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